DAC - Österreichs Herkunfts- und Qualitätssystem
DAC ist das österreichische Herkunftssystem für gebietstypische Qualitätsweine. Erfahre alles über die verschiedenen DAC-Gebiete und ihre Anforderungen.
Kurzdefinition
DAC (Districtus Austriae Controllatus) ist das österreichische Herkunftssystem für Qualitätswein, das seit 2002 existiert und gebietstypische Weine mit klarem Regionalprofil definiert. Ein DAC-Wein muss aus einer bestimmten Region stammen, vorgegebene Rebsorten verwenden und einem festgelegten Geschmacksprofil entsprechen.
Auf einen Blick:
- Kategorie: Weinrecht, Qualitätssystem, Herkunftsbezeichnung
- Gültigkeit: Österreich
- Eingeführt: 2002 (Weinviertel DAC als erste)
- Anzahl DAC-Gebiete: 16 (Stand 2025)
- Vergleichbar mit: AOC (Frankreich), DOC (Italien), DO (Spanien)
- Englisch: DAC (Districtus Austriae Controllatus)
Detaillierte Erklärung
Das DAC-System wurde eingeführt, um die österreichische Weinqualität international besser zu positionieren und den Fokus von Einzellagen auf regionale Herkunft zu lenken. Im Gegensatz zum vorherigen System, das primär auf Mostgewicht und Qualitätsstufen (Kabinett, Spätlese, etc.) basierte, steht bei DAC die gebietstypische Stilistik im Vordergrund.
Grundprinzip:
Ein DAC-Wein soll die typischen Charakteristika seiner Region widerspiegeln – ähnlich wie ein Chablis typisch für Chablis sein soll, soll ein Kamptal DAC typisch für das Kamptal sein. Das bedeutet:
- Festgelegte Rebsorten (meist 1-2 pro Gebiet)
- Gebietstypischer Stil (z.B. frisch-würzig, kraftvoll, elegant)
- Qualitätsanforderungen (Mindest-Alkohol, Restzucker-Grenzen, sensorische Prüfung)
- Herkunftsgarantie (100% aus der Region)
Hierarchie der DAC-Weine:
1. Gebietswein (DAC)
- Basisqualität der Region
- Meist jüngere Weine, fruchtig-zugänglich
- Breite regionale Herkunft
- Beispiel: "Weinviertel DAC"
2. Ortswein (DAC Ortswein)
- Aus einer Gemeinde/Ortschaft
- Höhere Anforderungen an Qualität und Typizität
- Meist etwas länger gereift
- Beispiel: "Langenlois Kamptal DAC"
3. Riedenwein (DAC Riedenwein / Reserva)
- Aus einer Einzellage (Ried)
- Höchste Qualität, oft lagerfähig
- Strenge Vorgaben für Ertrag und Mostgewicht
- Längere Reifezeit vorgeschrieben
- Beispiel: "Heiligenstein Kamptal DAC Reserve"
Nicht alle DAC-Gebiete nutzen diese dreistufige Pyramide – manche haben nur Gebietswein, andere zusätzlich Reserve-Kategorie.
Kontrolle und Prüfung:
Jeder DAC-Wein durchläuft:
- Chemische Analyse (Alkohol, Säure, Restzucker, etc.)
- Sensorische Prüfung durch neutrale Verkostungskommission
- Herkunftskontrolle (Traubenherkunft, Weinbergsverzeichnis)
Nur Weine, die alle Kriterien erfüllen, dürfen die DAC-Bezeichnung tragen.
Praktische Bedeutung
Im Glas
Ein DAC-Wein bietet Orientierung: Sie wissen sofort, welcher Stil und welche Rebsorte Sie erwarten können. Ein Weinviertel DAC ist immer ein frischer, pfeffriger Grüner Veltliner. Ein Mittelburgenland DAC ist immer ein Blaufränkisch mit gebietstypischer Würze.
Vorteile für Konsumenten:
- Verlässlichkeit: Konstantes Geschmacksprofil
- Herkunftsgarantie: 100% aus der Region
- Qualitätssicherung: Geprüft und kontrolliert
- Einfachere Orientierung: Weniger Verwirrung durch zu viele Kategorien
Beim Einkauf
DAC-Weine sind eine sichere Wahl, wenn Sie gebietstypische Qualität suchen. Die Bezeichnung garantiert, dass der Wein den regionalen Stil repräsentiert und gewisse Qualitätsstandards erfüllt.
Preisindikator:
- Gebietswein DAC: 8-15€
- Ortswein DAC: 12-25€
- Riedenwein/Reserve DAC: 20-50€+
Bei der Verkostung
Achten Sie bei DAC-Weinen darauf, ob sie den regionalen Stil treffen. Ein Weinviertel DAC sollte frisch und pfeffrig sein, nicht schwer und holzbetont. Ein Eisenberg DAC sollte mineralisch und elegant sein, nicht marmeladig und überreif.
Beispiele & Anwendung
Die 16 DAC-Gebiete Österreichs (Stand 2025)
Niederösterreich:
1. Weinviertel DAC (2002) – Die erste DAC
- Rebsorte: Grüner Veltliner
- Stil: Frisch, pfeffrig, leicht, ohne Holzausbau
- Besonderheit: Nur klassischer Stil, keine Reserve-Kategorie
2. Kamptal DAC (2008)
- Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Grüner Veltliner würzig-kraftvoll, Riesling mineralisch-elegant
3. Kremstal DAC (2007)
- Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Ähnlich Kamptal, aber etwas fruchtbetonter
4. Traisental DAC (2006)
- Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling
- Stufen: Klassik, Reserve
- Besonderheit: Kleinstes Weinbaugebiet Österreichs
5. Wagram DAC (2020)
- Rebsorten: Grüner Veltliner, Riesling (ab 2023 auch Roter Veltliner)
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Grüner Veltliner würzig-mineralisch, Riesling fruchtig
6. Carnuntum DAC (2019)
- Rebsorten: Zweigelt, Blaufränkisch
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Elegante, fruchtige Rotweine mit Frische
Burgenland:
7. Mittelburgenland DAC (2005)
- Rebsorte: Blaufränkisch
- Stufen: Klassik, Reserve
- Stil: Klassik fruchtig-würzig, Reserve kraftvoll-komplex
8. Leithaberg DAC (2009)
- Rebsorten: Weiß (Grüner Veltliner, Weißburgunder, Chardonnay, Neuburger), Rot (Blaufränkisch solo oder mit max. 15% Zweigelt, St. Laurent, Pinot Noir)
- Besonderheit: Sowohl Weiß- als auch Rotwein, alle mind. 12 Monate Reife
9. Eisenberg DAC (2009)
- Rebsorte: Blaufränkisch
- Stufen: Klassik, Reserve, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Mineralisch, elegant, schlank (durch Schieferböden)
10. Rosalia DAC (2017)
- Rebsorte: Zweigelt
- Stufen: Gebietswein, Reserve
- Stil: Fruchtig-frisch, zugänglich
11. Neusiedlersee DAC (2011)
- Rebsorte: Zweigelt
- Stufen: Klassik, Reserve
- Stil: Fruchtig-saftig, manchmal mit Restsüße
Steiermark:
12. Vulkanland Steiermark DAC (2018)
- Rebsorten: Welschriesling, Weißburgunder, Grauburgunder, Traminer, Sauvignon Blanc
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Mineralisch, frisch, vulkanisch
13. Südsteiermark DAC (2018)
- Rebsorten: Sauvignon Blanc, Weißburgunder, Grauburgunder, Chardonnay, Morillon, Muskateller
- Stufen: Gebietswein, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Frisch, aromatisch, elegant – Sauvignon Blanc ist der Star
14. Weststeiermark DAC (2018)
- Rebsorte: Blauer Wildbacher (Schilcher)
- Stufen: Klassik, Reserve
- Stil: Markanter Roséwein, hohe Säure, beerig
Wien:
15. Wiener Gemischter Satz DAC (2013)
- Besonderheit: Mischsatz aus mindestens 3 Sorten, keine darf über 50% ausmachen
- Stufen: Wiener Gemischter Satz DAC, Ortswein, Riedenwein
- Stil: Komplex, vielschichtig, typisch wienerisch
Wachau:
16. Wachau DAC (geplant, noch nicht offiziell)
- Die Wachau hat ihr eigenes System (Steinfeder, Federspiel, Smaragd) und ist bislang nicht offiziell DAC, arbeitet aber an einer DAC-Einführung
Historischer Kontext
Das DAC-System wurde 2002 als Reaktion auf die zunehmende Globalisierung des Weinmarkts eingeführt. Österreichischer Wein sollte nicht mehr primär über Süßegrade (Kabinett, Spätlese, Auslese) definiert werden – ein System, das aus Deutschland übernommen wurde und nicht zur österreichischen Weintradition passte.
Das Weinviertel war 2002 die erste DAC-Region – ein mutiger Schritt, der zunächst auf Skepsis stieß. Viele Winzer fürchteten Einschränkungen ihrer kreativen Freiheit. Doch der Erfolg gab dem System recht: Weinviertel DAC wurde zum Synonym für frischen, unkomplizierten Grünen Veltliner.
Schritt für Schritt kamen weitere Regionen hinzu. Das Mittelburgenland folgte 2005 als erste Rotwein-DAC (Blaufränkisch), was die Vielseitigkeit des Systems bewies.
Die Entwicklung ist nicht abgeschlossen: Neue DAC-Gebiete werden diskutiert, bestehende Regelungen angepasst. Die Wachau, Österreichs prestigeträchtigste Region, arbeitet an einer DAC-Lösung, die ihr tradiertes System (Steinfeder, Federspiel, Smaragd) integriert.
Länder- und regionsspezifische Besonderheiten
Österreich-spezifisch:
Das DAC-System ist einzigartig österreichisch und nicht direkt mit anderen Systemen vergleichbar. Es ist strenger als viele DOC-Systeme (Italien) oder DO-Systeme (Spanien), weil es nicht nur Herkunft, sondern auch Stil vorschreibt.
Vergleich mit anderen Systemen:
Frankreich (AOC/AOP): Ähnlich streng, aber älter und komplexer. AOC schreibt Rebsorten, Ertrag, Weinbereitung vor. DAC ist moderner und flexibler.
Italien (DOC/DOCG): Vielfältiger, aber oft weniger streng kontrolliert. Viele DOC-Weine sind qualitativ schwach. DOCG entspricht eher DAC-Niveau.
Spanien (DO/DOCa): Vergleichbar mit DAC, aber weniger auf Stilistik fokussiert. DOCa (Rioja, Priorat) entspricht DAC Reserve-Niveau.
Deutschland (VDP/GG): Kein staatliches System wie DAC, sondern Winzervereinigung (VDP). Großes Gewächs (GG) ähnelt DAC Riedenwein.
Nicht-DAC-Weine in Österreich:
Weine, die nicht den DAC-Kriterien entsprechen (andere Rebsorten, anderer Stil, Holzausbau bei Weinviertel, etc.), werden als "Qualitätswein" oder "Landwein" mit regionaler Angabe (z.B. "Niederösterreich") vermarktet. Viele hochwertige, kreative Weine sind bewusst nicht DAC, weil sie vom regionalen Stil abweichen.
Verwandte Begriffe & Verlinkungen
-
Terroir: DAC zielt darauf ab, das Terroir einer Region im Glas widerzuspiegeln.
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AOC/AOP: Französisches Herkunftssystem – Vorbild für DAC.
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DOC/DOCG: Italienisches System – vergleichbare Zielsetzung.
-
Qualitätswein: Übergeordnete Kategorie in Österreich – DAC ist eine spezifische Form davon.
-
Prädikatswein: Altes österreichisches System (Kabinett, Spätlese, etc.) – wird bei DAC nicht verwendet.
-
Gemischter Satz: Wiener Spezialität – als "Wiener Gemischter Satz DAC" geschützt.
Häufige Fragen & Missverständnisse
Frage: Sind DAC-Weine immer besser als Nicht-DAC-Weine?
Antwort: Nein! DAC garantiert gebietstypische Qualität, aber viele exzellente Weine sind bewusst nicht DAC, weil sie kreativer sind oder andere Rebsorten verwenden. Ein Blaufränkisch-Zweigelt-Cuvée aus dem Mittelburgenland kann großartig sein, ist aber kein DAC (nur reiner Blaufränkisch erlaubt).
Frage: Warum gibt es in der Wachau kein DAC?
Antwort: Die Wachau hat ihr eigenes, etabliertes System (Steinfeder, Federspiel, Smaragd), das weltweit anerkannt ist. Eine DAC-Einführung würde dieses System ablösen oder integrieren müssen – ein komplizierter Prozess, der noch in Arbeit ist.
Frage: Kann ein Winzer einen Wein als DAC und als Reserve verkaufen?
Antwort: Das hängt vom Gebiet ab. Manche DAC-Gebiete haben eine "Reserve"-Kategorie als Teil des DAC-Systems (z.B. Mittelburgenland DAC Reserve). In anderen Gebieten (z.B. Kamptal) heißt die höchste Stufe "Riedenwein". Die Bezeichnung "Reserve" ohne DAC ist bei Nicht-DAC-Weinen frei verwendbar.
Frage: Warum sind manche bekannte österreichische Weine kein DAC?
Antwort: Entweder liegt ihre Region nicht in einem DAC-Gebiet, oder sie entsprechen nicht den Vorgaben (falsche Rebsorte, Holzausbau wo verboten, Cuvée statt Einzelrebsorte). Viele Spitzenwinzer machen bewusst Nicht-DAC-Weine, um mehr Freiheit zu haben.
Frage: Ist DAC mit Bio oder Nachhaltigkeit verbunden?
Antwort: Nein, DAC ist ein Herkunfts- und Stilsystem, keine Nachhaltigkeitszertifizierung. Ein DAC-Wein kann bio sein, muss aber nicht. Einige Regionen fördern Bio-Weinbau, aber es ist keine DAC-Voraussetzung.
Expertentipp
DAC ist ein verlässliches Qualitätssystem, das Ihnen hilft, authentische, gebietstypische Weine zu finden. Wenn Sie eine Region kennenlernen wollen, starten Sie mit dem DAC-Gebietswein – er repräsentiert den Basis-Stil. Wenn er Ihnen gefällt, steigen Sie zu Ortsweinen oder Riedenweinen auf.
Praktischer Tipp für den Einkauf:
- Weinviertel DAC: Perfekter Alltagswein, frisch und unkompliziert (8-12€)
- Kamptal/Kremstal DAC Reserve: Lagerfähige Grüne Veltliner und Rieslinge mit Tiefe (20-40€)
- Mittelburgenland DAC Reserve: Kraftvoller, lagerfähiger Blaufränkisch (25-50€)
- Südsteiermark DAC Ortswein: Eleganter Sauvignon Blanc mit Lagenprofil (18-30€)
Für Entdecker: Probieren Sie die dreistufige Pyramide einer Region (Gebietswein, Ortswein, Riedenwein) im direkten Vergleich. So verstehen Sie, wie sich Herkunft und Qualität auf den Geschmack auswirken.
Für Skeptiker: DAC schränkt nicht ein, es schafft Orientierung. Österreich hat nach wie vor Raum für kreative, experimentelle Weine – sie heißen dann einfach nicht DAC, sondern "Qualitätswein Niederösterreich" oder "Landwein Burgenland". Beide Welten können nebeneinander existieren.